Mediator*in werden

Berufsbild Mediator/Mediator*in

Viele Teilnehmende an Mediationskursen stellen sich zukünftig eine selbständige Tätigkeit als Mediator oder Mediatorin vor. In der Regel sind jedoch die nach einem Zertifikat am erfolgreichsten bei der Fallakquise, die bisherige Tätigkeiten als Angestellte oder Selbständige mit der neuen Mediationskompetenz gewinnbringend ergänzen und ihr berufliches Profil aufwerten können.

Eine Studie des BiBB von 2004 stellt drei typische Berufswege in die Mediation vor, die auch heute noch Gültigkeit haben:

  • »Mediationspioniere«, d.h. diejenigen, die Mediation (meist durch Kontakt mit amerikanischen Mediationstrainern) in Deutschland eingeführt haben und auch Ausbildungen anbieten (dazu gehört Prof. Dr. Angela Mickley)
  • Personen, die im Rahmen ihres juristischen oder sozialwissenschaftlichen bzw. sozialpädagogischen Studiums bereits durch Teilnahme an akademischen Qualifizierungsangeboten mit Mediation in Berührung kommen und daraufhin eine entsprechende Anwendung im Rahmen ihrer späteren Berufstätigkeit anstreben,
  • Personen, die eher zufällig im Laufe ihres beruflichen Werdegangs durch persönliche Kontakte, Veranstaltungen o. a. Interesse und Einstieg in Mediation gewinnen und diese in ihre berufliche Tätigkeit integrieren.

Zu berücksichtigen sind auch Berufstätige, die sich in Mediation ausbilden lassen, aber nicht beabsichtigen, die Mediation professionell als Dienstleistung anzubieten: Ihnen kommt es auf den Kompetenzzuwachs an.

Der Mediator ist nach aktuellem, deutschem Recht an keinen Hauptberuf gebunden.

Quelle: Wikipedia 10/2015

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Am 18. Juni, dem internationalen Tag der Mediation haben wir Teilnehmende unserer alljährlichen Weiterbildung befragen lassen, was sie motiviert eine 1-jährige Weiterbildung zum/zur Mediator*in zu machen.

Die beeindruckende Wirkung der Mediation in Konfliktbearbeitung entsteht aus einem Dreiklang von Haltung, Methode und Flexibilität. Sie umfasst systemische Konfliktanalyse, Situationseinschätzung und effektive Bearbeitung ebenso wie achtsamen Umgang mit Persönlichkeit, Kultur und Werten. Die Mediator*innen haben gelernt, die Konflikt eskalierenden Energien in Lösungselemente zu transformieren, Ihre Haltung schafft den seelischen und mentalen Raum, die Methodik liefert wirksame Instrumente. So bewirken die Erfahrungen in der Mediation unerwartete Lernschritte und initiieren Perspektivwechsel und Verhaltensänderung.

Alle Parteien erkunden gemeinsam Konfliktsystem und Verhalten, eröffnen den Blick auf gemeinsame Anliegen und unterstützen Zukunftsgestaltung. Aus dem Chaos vergangener Verletzungen und gegensätzlicher Erwartungen entwickeln die beteiligten Personen oder Gruppen mit sozialer Phantasie Ideen und planen realistische Schritte. Individuelle und gemeinsame Entscheidungsräume werden bewusst und neu genutzt, unterschiedliche Ziele in größere Referenzrahmen von Raum und Zeit integriert.

Mediator*innen wirken damit über die eigenen Systeme hinaus Frieden fördernd im soziokulturellen, wirtschaftlichen oder politischen Handlungsfeld.

Im Mediationslabor der Weiterbildung experimentieren die Teilnehmenden eines Mediationskurses mit vertrauten und neuen Interventionsformen, lernen gedanklich und emotional die Vielfalt der Konfliktbeteiligten wahrzunehmen, respektvoll zu spiegeln und in einen effektiven Lösungsprozess einzubinden. Wir ermuntern alle, viele Ideen zu nutzen, Fehler zu riskieren, gleich etwas Neues zu probieren und damit die Bandbreite des eigenen Interventionsrepertoires kennenzulernen und kontinuierlich zu erweitern.

Kerstin Lück und Prof. Dr. Angela Mickley für Konflikthaus e. V.

Die Tätigkeit im Überblick

Mediatoren und Mediatorinnen unterstützen streitende Parteien bei Konflikten unterschiedlicher Art, um zu einvernehmlichen, außergerichtlichen Lösungen zu gelangen.

Mediatoren und Mediatorinnen finden Beschäftigung

  • in Kanzleien für Mediation
  • bei Unternehmensberatern
  • in psychotherapeutischen Praxen und Einrichtungen des Sozialwesens
  • in Aus- und Weiterbildungseinrichtungen für Mediation

Zugang

Voraussetzung ist in der Regel ein entsprechendes Studium.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/start?dest=profession&prof-id=8263

Rolle der Mediator*in

Die Mediatorinnen leiten die Mediationssitzungen, steuern und gestalten den Verständigungsprozeß innerhalb der Regeln des Mediationsverfahrens. Sie führen keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung durch und dürfen nicht tätig werden, wenn sie eine der Parteien vor Beginn des Verfahrens im Zusammenhang mit dem Streitstoff beraten oder vertreten haben.

Die Teilnahme an einer Mediation sollte freiwillig sein, bei Unkenntnis des Verfahrens erläutern die Mediatoren das Vorgehen und ermöglichen den Streitparteien eine einführende Erfahrung mit dem methodischen Instrumentarium. Dann können die Klienten leichter eine informierte Entscheidung fällen. Mediatoren üben keinen Druck auf die Parteien aus, an einer Mediation teilzunehmen.

Erfahrungen mit angeordneter Mediation sind allerdings gut, in USA und Neuseeland / Australien etwa werden sie bei Scheidungswunsch dem Gerichtsverfahren vorgeschaltet und bewirken neben der Prozessverkürzung eine konstruktivere Beziehungsgestaltung und erheblich konsensualere Umgangs- und Unterhaltsregelungen für die betroffenen Kinder.

Mediatorinnen arbeiten und wirken allparteilich, das heißt:

Die Mediatoren sehen sich den langfristigen Interessen, Bedürfnissen und Befindlichkeiten aller Konfliktparteien individuell und für die gemeinsame Zielsetzung in gleicher Weise verpflichtet.

Mediation ist vertraulich. Die Mediatorin appelliert vorab an die Parteien, keine Information nach außen dringen zu lassen, es sei denn, es ist einvernehmlich verabredet worden. Die Parteien werden darüber informiert, dass sie im Falle eines Rechtsstreits die Mediatoren nicht als Zeugen benennen können.